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Das Hanauer Sommergespräch
Geschrieben von: Hanauer Anzeiger   

Musik im Kopf fuhr immer mit


"Schmidtchen Schleicher" greift leidenschaftlich gerne in die Tasten seines Akkordeons


Hanau/Bruchköbel. - Günter Schmidt aus Bruchköbel, in der näheren und auch weiteren Umgebung nur als "Schmidtchen Schleicher" bestens bekannt, wurde 1938, also vor 62 Jahren, in Ludwigshafen am Rhein geboren, wurde aber bereits mit fünf Jahren mit seinen Angehörigen nach Thüringen im Eichsfeld nach Hundeshagen evakuiert. Doch schon 1946 organisierte sein Vater einen Pferdetransport und brachte die Familie in das zerbombte Hanau.


Sie kamen in der vom Bombenhagel verschont gebliebenen Gebeschusschule unter, in der Günter Schmidt auch die ersten Schuljahre erlebte. Weiter ging er dann auf die Bezirksschule III mit anschließender Handelsschule. Bei der Firma Kuhn schloss Günter Schmidt nach einer zweieinhalbjährigen Lehre als Großhandelskaufmann seine damalige Berufsausbildung ab.


Später, nach der Bundeswehr, wo er Gelegenheit hatte, einen Busfahrer-Führerschein zu machen, wurde er Fahrer bei der Firma Coca-Cola und wechselte dann als Fahrer zur Firma Schwab und zum Busunternehmen Helmut List.


Doch die Musik im Kopf, das größte Hobby schon seit frühester Jugend, fuhr immer mit. Bereits als 14-Jähriger stand Günter Schmidt mit zwei "Kollegen" Auf einer Bühne in Rückingen. Als er 1950 ein kleines Akkordeon geschenkt bekam, nahm er ernsthaften Unterricht zunächst bei Fräulein Hildebrandt und wechselte dann zu dem damals schon in der Musikbranche bekannten Herwig Neumann.


Dieser erkannte den jungen Musiker Günter Schmidt sofort an seiner Begabung und meinte, dass dieser sein begabtester Schüler war. Je professioneller Schmidt`s Musik wurde, umso mehr wurde ein größeres Akkordeon nötig. Die Mutter steuerte zum 800 Mark teuren Instrument die Hälfte dazu, den Rest erarbeitete sich Sohn Günter mit Kegelaufstellen in den verschiedenen Clubs. Im Jahr 1954 kam Günter Schmidt zur Band "St.Pauli". So ging es auf der musikalischen Erfolgsleiter immer weiter nach oben, bis zur Gründung im Jahr 1968 seiner eigenen Band "Orion-Quartett". Letztendlich folgten dann auch Auftritte in der Schweiz, Österreich, Frankreich und in Hanaus englischer Partnerstadt Dartford, für die er heute noch beim Gegenbesuch der englischen Freunde beim "Hanau-Abend" zum Tanz und Unterhaltung aufspielt. Auch im Fernsehen war Günter Schmidt bereits zu sehen. So hatte er 1993 Auftritte in der Hanauer August-Schärttner-Halle, im Frankfurter Zoo-Gesellschaftshaus oder auch in Herborn. In Hanau gibt es wohl auch keinen der Senioren, die "ihren Schmidtchen-Schleicher" nicht von vielen Veranstaltungen her kennen, der seit 1982 ihnen mit Musik aus ihrer Jugendzeit, der Vor- und Nachkriegszeit, immer in Deutsch gesungen, seine flotten Lieder und Tänze präsentiert.


Doch hier soll garnicht so viel vom Beruf in diesem "Hanauer Anzeiger-Sommer-Gespräch" berichtet werden, sondern von der Freizeit. Auch Günter Schmidt war sofort bereit, ein solches Gespräch zu führen. Doch zunächst - so war der spaßige Anfang im schönen Park vom Olof-Palme-Haus - mußte ihm erst einmal "klargemacht" werden was Urlaub eigentlich ist! "Entspannen? - brauche ich nicht", meinte er gleich spontan, "über 20 Jahre haben wir keinen Urlaub gemacht". Mit "wir" meinte er seine bewundernswert verständige Frau, mit der er seit 1964 verheiratet und noch heute glücklich ist. Zwei Söhne haben sie, die noch bei den Eltern im eigenen Haus in Bruchköbel wohnen. Doch nach kurzem Nachdenken kommt von Günter Schmidt eine Berichtigung des Gesagten "seit 1995 sind wir schon zwei - oder dreimal im Jahr verreist, einmal sogar drei Wochen lang zu Freunden nach Kanada, die von Langenselbold nach dort ausgewandert sind".


Mal haben die Schmidt`s auch einen Kurzurlaub in der Nähe des Pfälzer Waldes unternommen, auch einen Kurzurlaub, vor allem zum Wandern, in die Fränkische Schweiz und den Oberpfälzer Wald. Doch immer wieder ist die beste Erholung für "Schmidtchen Schleicher" seine Musik. Er weiß eigentlich gar nicht recht, wie er diesen "Künstlernamen" bekommen hat. Aber das ist sein Leben, dem er überzeugend hinzufügt, "ich brauche keinen Urlaub so oft". Seit 1978 ist er freiberuflich und nennt sich scherzeshalber "die Big Band im Akkordeon". Mit seinem einschmeichelnden, aber nicht übertrieben, rührigem Gesang, immer in deutscher Sprache, darauf legt er Wert, erfreut er landauf - landab seine Zuhörer.


Er spielt meist auf öffentlichen Veranstaltungen wie Seniorensitzungen, Jubiläen, runden Geburtstagen oder auch auf den Main-Ausflugsschiffen, bei denen es für die Gäste immer Stimmung gibt. "Mal Fahrrad fahren" antwortet er auf die Frage "Sport zur Erholung". Über seinen Tagesablauf steht immer wieder "keine Zeit - keine Zeit" - doch gerade das ist sein Hobby, denn er hat wegen der Musik keine Zeit. Am liebsten allerdings hört er - aber das ist natürlich auch nur kurze Zeit! - "James Last classic" zum Entspannen. Doch ab und zu mache er auch gerne Gartenarbeit auf dem eigenen Grundstück. Gemüse gibt es hier nicht, nur Blumen. Zu seiner großen Geschäftigkeit und ruhelosen Arbeit, über die sich die Gesprächspartnerin vom HA immer wieder wunderte, meinte er nur sachlich-trocken, "es gibt eben Leute und verrückte Musiker", und setzt dem drauf, "ich kann von meiner Musik nicht genug kriegen - meine Frau versteht das, deshalb klappt es wohl auch so gut bei uns". Er habe einmal 35 Stunden "Musik pur" gespielt, das sei sein Hobby und Lebenselexier, erzählt er mit leuchtenden Augen und greift gleich wieder in die Tasten seines Akkordeons... Waltraut Knauf